Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen

Kirche St. Cyprian und Justina Kappel a. Rhein

Die Pfarrkirche in Kappel ist dem hl. Cyprian von Karthago (16. Sept) geweiht. Zweite Patronin ist die hl. Justina, dritter Patron der hl. Bischof Nikolaus. (Am 1. Sept. 1737 morgens, wurde die Kappeler Kirche durch den Weihbischof von Straßburg eingeweiht, denn damals gehörte die Ortenau zum Bistum Straßburg.)

Außerdem wird der hl. Fridolin von Säckingen verehrt, denn es heißt in den alten Büchern, „dass Fridolin auf seiner Reise von Poitiers (im Frankenreich) nach Säckingen hier den Rhein überquerte und um ca. 500 n.  Chr. Kappel segnete“. Ein Hinweis darauf, dass damals schon  Kappel als christlicher Ort existierte! Deshalb wurde bei der letzten Renovierung 1989 das Bild an der Decke der  alten Kirche: „Fridolin segnet Kappel“ nachempfunden und vom Altenwerk finanziert.

   

Nach Beschreibung älterer Bürger von M. Schmitt, Freiburg, anlässlich der Innenrenovation 1988 gemalt.

Gemälde von August Kurz, Kappel

Gemälde von August Kurz, Kappel 1928
Klösterle, Pfarrhaus und Kirchturm v. August Kurz

Zur Zeit des Pfarrers Dr. Vitus Burg (1809-1827) war die alte Kirche baufällig und zu klein. So beließ er Turm und Altarraum und führte 1826 ein mächtiges Langhaus auf im damals gängigen Baustil, der auf den Karlsruher Architekten Weinbrenner und seine Schüler zurückgeht. Spötter sagten verächtlich: Scheunenstil!

Wirklich wurde aber auf ein römisches Vorbild zurückgegriffen, den grossen Triumpfbogen, den man in den Ruinen des Forum Romanum in Rom bestaunen kann! Der Altarraum war erhöht, ähnlich der römische Basilika. Diese Bauweise im 19. Jahrhundert gehört zur Stilepoche des Klassizismus.

Zahlreiche Kirchen in der Umgebung wurden in der damaligen Zeit erbaut und ähneln der Kappeler Kirche: Hl. Kreuz Münchweier, St. Hielarius Bleichheim, St. Nikolaus Ichenheim, St. Bartholomäus Ortenberg, St. Borromäus Diersburg und St. Peter und Paul Lahr.

Heinrich Hansjakob besuchte Kappel im Jahr 1903. Damals war Michael Henning Pfarrer in Kappel. Hansjakob äußerte: „Diese Kirche macht dem Pfarrer und seiner Gemeinde alle Ehre. Es ist eine Kathedralkirche!“

Heinrich Hansjakob, 1837-1916

Chorturmkirche von 1737 dazu skizziert die Form des neuen Turms

                                                                                 

alte Kirche außen

alte Kirche innen

Zerstört im 2. Weltkrieg:

Gemälde von August Kurz, Kappel, am Tag    

 des Luftangriffs, 14.02.1945 (Aschermittwoch)

Auch das Pfarrhaus:  ausgebrannt!

Pfarrer Beiser, der am 2. Juni 1947 in diese Pfarrei angewiesen wurde, begann bald mit beherzten Männern, die Ruine auszuräumen, die noch stehenden Mauern abzustützen und begann mit dem Wiederaufbau. (Siehe dazu pdf-Datei Protokollbuch Pfr. Beiser)

A Protokollbuch Pfarrer Beiser.pdf
PDF-Dokument [222.1 KB]

Unter Pfarrer Heinrich Beiser, der selber zum Schubkarren griff, ging der Wiederaufbau langsam aber stetig voran, sodass bereits am 1. Oktober 1949 ein Gottesdienst anlässlich des Richtfestes gefeiert werden konnte.

Weihnachten 1955 erhielt die Kirche fünf neue Glocken

Wiederaufgebaute Kirche mit über 1300 Sitzplätzen.  Bild unten ca. 1970, portabler Zelebrationsaltar und beweglicher Ambo, Bild oben vor dem Konzil mit Kommunionbank und Festtagsschmuck.

Der Triumpbogen, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennt, dominiert ganz eindeutig und gibt dem Raum eine große Würde und einen mächtigen Eindruck.

So wurde die Kirche nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut. Ohne Schmuck, an der Altarwand ein schlichtes Holzkreuz ohne Korpus, ein mächtiger Sandstein-Altar, (am 21. Juli 1968 durch den Weihbischof Karl Gnädinger aus Freiburg konsekriert),  auf einem „Berg Golgotha“  mit fünf Stufen.

Am Haupteingang ist diese Tafel eingelassen, außerdem das alte Turmkreuz das in den Trümmern gefunden wurde.

Pieta und Kreuzweg, geschnitzt im Jahr 1954 von Ferdinand Kossian, Offenburg, sowie die wertvolle alte Marienfigur (unbekannter Meister, ca. 1500) sind die einzigen Bilder in der Kirche. Später kam eine Figur des hl. Josef dazu.

Was für ein mächtiges Gotteshaus! Das Dach des Langhauses überragt die Häuser des Dorfes und erst recht sein Turm mit einer wohlgeformten Zwiebel! (Eigentlich passt die Zwiebel nicht unbedingt zum Baustil, aber der damals verantwortliche Pfarrer Beiser mochte Zwiebeltürme, sie erinnerten ihn an seine Heimat)

Zur Frage, warum die Kirche nicht in der Mitte des Dorfes gebaut wurde, sondern an seinem östlichen Ende, gibt es eine Legende: Als die alte Kirche gebaut werden sollte, in der Mitte des Dorfes, war das Bauholz über Nacht mehrmals weggetragen worden und an der Stelle vorgefunden worden, wo die heutige Kirche steht.

Als erstes Werk anlässlich der Innenrenovation wurde die Heizung erneuert. Man sieht auf dem Bild schon die Schacht-Arbeiten im Quergang vor den Bänken, zwischen Altarraum und Kirchenschiff.

Vorher aber wurde die beschädigte Madonnenfigur vor dem Hauptportal erneuert. (Das Original stellte man wettergeschützt in der Leichenhalle auf.)

Die riesigen Sandsteinfiguren: Madonna und  Hl. Nepomuk wurden durch den früheren Pfarrer Dr. Vitus Burg, später Bischof von Mainz,  aus dem Nachlass des Klosters Tennenbach/Emmendingen nach Kappel gebracht.

22. Juni 1986  

Aus den gemauerten Windfängen wurden zwei Beichtkapellen mit der Möglichkeit für das Beichtgesprächs geschaffen.

1985 wurde die große, holzgeschnitzte Kreuzigungsgruppe aus der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul ausgebaut und in den dortigen Kirchenkeller eingelagert. Da Pfarrer Pohl, der in dieser Kirche seine Primiz gefeiert und gute Beziehungen zu Dekan Schäufele hatte, kam es zu dem glücklichen Umstand, dass die Pfarrei St. Peter und Paul die Kreuzigungsgruppe der Pfarrei St. Cyprian und Justina Kappel schenkte.

So gelang es, dass ohne Erhöhung der Renovationskosten, durch den Künstler Helmut Lutz, Breisach, mit dem vorhandenen großen Sandsteinaltar und dem vergoldeten Tabernakel und der kostenlos überlassenen Kreuzigungsgruppe eine ungewöhnliche, beeindruckende Chorraumgestaltung in Kappel verwirklicht werden konnte.

Der Münchner Holzbildhauer Lorch hat im Jahr 1964 diese Kreuzigungsgruppe auf Anweisung des damaligen Pfarrers von St. Peter und Paul und Dekan in Lahr: Hugo Leicht gefertigt. Es ist eine kernig gehauene Naturholz-Gruppe aus Zirbelkiefer. Der Schnitt und die Struktur des Holzes sind beeindruckend.

Zirbelkiefer (Pinus cembra)

Die beiden großen Apostel Petrus und Paulus stehen unter dem Kreuz. Dies ist theologisch richtig, aber historisch falsch. Petrus mit dem überdimensionalen Schlüssel als Zeichen seiner Berufung und Paulus weist mit einem überlangen Finger auf den Gekreuzigten, wegen seiner Kreuzestheologie. (Ich will nichts anderes wissen als Christus den Gekreuzigten). Den überlangen Finger hat er womöglich vom Vorbild des Täufers Johannes, der auf dem Bild des Isenheimer Altars auch unter dem Kreuz dargestellt ist, theologisch richtig, aber historisch falsch, denn bei der Kreuzigung Christi war Johannes d. T. längst tot.

Der Christus von Lorch ist dargestellt in der Situation des Todes, mit offenem Mund, der nach dem Johannes-Evangelium sagt: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30) Das Gesicht zeigt eine große Würde und  Majestät. Statt der Dornenkrone trägt er ein Königs-Diadem.

HL.Petrus

Die Kapitelle zeigen die jeweilige Berufungs-Szene, den weinenden Petrus samt Hahn,  für Paulus der Sturz vom Pferd mit der Hand Gottes, die seinen Kopf berührt.

Isenheimer Altar in Colmar: Johannes d. Täufer weist mit überlangem Finger auf den Gekreuzigten, zu Füßen das Osterlamm.

Helmut Lutz hat durch die Konstruktion eines „Hauses aus roten Metallbalken“ in das er die Kreuzigungsgruppe eingefügt hat, dieser die Wucht genommen. Gleichzeitig hat er den vorhandenen Tabernakel, der auf der Schauseite Gravuren von Trauben und Ehren enthält, in das „Haus“ hineingefügt. An der Wand rote Bänder und Andeutungen von Dornenkrone für das Leid Jesu und Weizenähren für das Wort der hl. Schrift: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht.“(Joh 12,24)

So hat Lutz alte und neue Elemente zu einem beeindruckenden und zu Fragen provozierenden Gesamtbild gefügt.

Vom vorherigen riesigen Altar hat Helmut Lutz den neuen, viel kleineren Zelebrationsaltar gestaltet, wobei er das Reliquiengrab unberührt in der Altarplatte belassen hat. Aus den Abschnitten des alten Altars hat er die Altarfüsse und die umlaufende Dornenkrone mit dem Lamm und den Trauben sowie den Blutstropfen für den neuen Altar gestaltet. Aus weiteren Abschnitten hat er noch den Ambo gestaltet für die Verkündigung des Wortes Gottes.

In den Ambo (Pult für die Wortverkündigung) liess Helmut Lutz vier Bilder eingravieren.

  1. Links oben: die schreibende Hand, sie weist auf die Hagiographen, die Autoren der Heiligen Schrift hin.

  2. Rechts oben: ein Ohr und auf der anderen Seite eine verästelte Struktur, die auf das menschliche Gehirn verweist.

  3. Links unten: eine sehr alte Kreuzdarstellung, hier das Henkelkreuz, das in den ägyptischen Hieroglyphen die Bedeutung „Leben“ hat, eine zufällige (?) Gleichklang mit der christlichen Bedeutung des Kreuzes, das ewige Leben.

  4. Rechts unten: ein aufgeschlagenes Buch und darüber ein Radkreuz, ebenfalls eines der sehr alten Kreuzesformen.

     

     

Helmut Lutz übernahm es, eine neue Chorraumgestaltung als Integrationsaufgabe für den gesamten Kirchenraum zu schaffen.

Durch den Stelenaufbau und die Hintergrundmalerei schuf er im Sinne eines Tabernakel-Altaraufbaus eine wandfüllende Komposition. Knotenpunkt ist der Tabernakel, das Bundeszelt, die goldene Tür zum Herzen der Kirche, dem Aufbewahrungsort der hl. Eucharistie mit dem Ewigen Licht darüber. Von hier gehen blutrote Linien kreuzförmig (die Metallteile des Bildes) vom Kreuzbalken herab bis zum Boden und nach links sowie rechts zu den Kapitellen der Apostelfiguren und von dort ebenfalls zum Boden, von dort die Stufen herab zum Altar und vom Altar weiter zum Ambo und bis ins Kirchenschiff.

Sie wollen die Bedeutung der hl. Eucharistie für das Leben der Gemeinde versinnbilden. Das auf die Spitze gestellte Viereck mit dem Gebinde von Dornen-Blutstropfen und Ähren als Schmerz- u. Brotsymbolik weist auf das Vermächtnis des Herrn hin: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht."

Herabfallend zeigt sich die zerrissene Linie rot und weist auf den Vorhang des Tempels hin und somit auf die Ablösung des Alten, und den Beginn des Neuen Bundes. Die aufsteigende, nach oben offene weiße Fläche weist symbolisch auf die Auferstehung und den Bereich des Himmels hin (Farbe: Weiß).

Der Christus ist der Romanik nachempfunden. Die Kreuze der Romanik zeigen nicht den leidenden Christus, sondern den auffahrende Sieger. Die Dornenkrone ist daher ein Königs-Diadem. Die ganze Haltung des Gekreuzigten ist eher schwebend als hängend. Der Mund geöffnet zum Ruf: "Es ist vollbracht!" Die roten Linien, die vom Herzen des gekreuzigten, aber über die Erde erhöhten Herrn, ausgehen, treffen auf die Köpfe der beiden Apostel Petrus und Paulus.


 

Die Kappeler dürfen sehr stolz auf ihre Kirche sein, die aus den Trümmern wiedererstand und mit der Hilfe so vieler eigenwillig, unverwechselbar und eindrucksvoll gestaltet wurde.

Bei der Renovierung in den 80 er Jahren wurden mehrere Feste und Haussammlungen durchgeführt, die jedesmal hohe Ergebnisse aufwiesen, was die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrem Gotteshaus gezeigt hat. Auch haben sich sehr viele ehrenamtlich eingebracht, sodass diese Kirche als ein Gemeinschaftswerk aller angesehen werden kann. Möge dies auch in den späteren Generationen nicht in Vergessenheit fallen.

 

Fotos und Text:

Werner Pohl, damals Pfarrer von Kappel und Grafenhausen

Quellen:

Pfarrarchiv Kappel,

Protokollbuch der Fischerzunft Kappel   (Bilder von Hermann Kurz)

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