Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen

Kriegerdenkmal Kappel

Das Kriegerdenkmal von Kappel

 

Auf Anregung des Arbeitskreises Historie hat die Gemeindeverwaltung das Kriegerdenkmal in Kappel durch eine Fachfirma reinigen und auffrischen lassen. Mit speziellen, abbaubaren Reinigungsmitteln wurde der starken Moosbildung am Denkmal der Kampf angesagt. Nach der Grundreinigung wurde der Granitstein mit einem speziellen Imprägnierungsmittel entsprechend behandelt, so dass das Kriegerdenkmal wieder in neuem, hellem Glanz erstrahlt.

 

Zur Geschichte des Denkmals.

 

Um den gefallenen Kameraden des Weltkrieges 1914-18 ein Denkmal zu setzen, wurde in Kappel ein sogenannter Kriegerverein gegründet, deren Vorsitzender Zollsekretär Sterzenbach war. Dieser Verein hatte die Aufgabe, unter bestimmten Auflagen des Bezirksamtes Lahr Spendengelder zu sammeln

„Man hat nichts dagegen, wenn die Sammlung zur Beschaffung von Mitteln zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren der Gefallenen im Weltkrieg 1914/18 im beschränkten Kreis bei einzelnen als vermögend geltenden Gemeindebürgern, Freunden und Gönnern und bei den Mitgliedern des Kriegervereins stattfindet. Eine Sammlung von Haus zu Haus kann nicht genehmigt werden. Die Sammlung hat in der Zeit vom 10.-30. Oktober 1929 stattzufinden“, so kann man in einem damaligen Schreiben des Bezirksamt Lahr lesen.

 

Auch der damalige Bürgermeister Zyprian Hilss schreibt am 18. November 1929 dazu folgendes:

„Es besteht hier der allgemeine Wunsch, dass im Laufe nächsten Jahres in hiesiger Gemeinde zu Ehren unserer treuen, im Weltkrieg Gefallenen ein würdiges Denkmal errichtet werden soll. Der Kriegerverein hier hat zu diesem Zwecke eine von uns befürwortete und behördlich genehmigte örtliche Sammlung durchgeführt. Selbstverständlich hat auch der Gemeinderat als Vertreter der ganzen Gemeinde, welche letztlich voraussichtlich einen wesentlichen Teil der Kosten für die Errichtung des Denkmals zu tragen haben wird, das größte Interesse, dass ein am richtigen Platze unseren lieben Toten gewidmetes  würdiges Gedächtnis und Ehrenmal errichtet wird. Die hier wohnenden Kriegerwitwen und ein großer Teil der hiesigen Bevölkerung haben sich bei der oben erwähnten Sammlung allgemein dahingehend ausgesprochen, dass das zu errichtende Denkmal ein christliches Symbol erhalten muss.  Dieser Auffassung hat sich der Gemeinderat im vollen Umfange angeschlossen. Da die Platzfrage und die Finanzierungsfrage noch nicht geklärt sind, hat man bis heute noch nichts unternommen. Das Bürgermeisteramt wird die vorgesetzte Behörde über den Stand dieser Angelegenheit unterrichten“.

Nach Planunterlagen vom April 1930 wurde das Kriegerdenkmal am Eck aufgestellt 

Bildquelle: Peter Edelmann

Rudi Rest zeigt den Standort wo das erste Kriegerdenkmal aufgestellt wurde.  

 

 

 

Kommission gewählt

 

Vom Kriegerverein und den Spendern wurde eine Kommission gewählt. Dieser gehörten der hochwürdige Herr Pfarrer Franz Xaver Schüber, Bürgermeister Zyprian Hilss und der Vorsitzende Zollsekretär Franz Sterzenbach an. Ihnen wurden die Vorbereitungsarbeiten übertragen. Nachdem die verschiedenen vorliegenden Entwürfe und Angebote gesichtet worden waren, stimmten die Mitglieder des Kriegervereins am 1. März 1930 dem Entwurf des Bildhauers Viktor Dilberger aus Elzach zu. Es wurde vereinbart: Sobald das Relief in Ton gefertigt ist, werden die Kommission und Mitglieder des Denkmalausschusses, welchen es  zu dieser Zeit auch in Kappel gab, dies vor Ort begutachten und evtl. Änderungen anordnen.

 

Die Kosten für das Denkmal beliefen sich auf 4000 Reichsmark. Im Vertrag wurde geregelt, dass 2000 RM bei der Einweihung und der Rest ein Jahr später zinslos bezahlt werden. Außerdem musste gewährleistet sein, dass das Denkmal am 23. Mai 1930 abends fix und fertig sein musste. Da es kleine Änderungen beim Relief gab, wurde dies zur Einweihung Gips modelliert.

 

Einweihung

 

Unter Böllerschüssen und Glockengeläut wurde unter Anwesenheit zahlreichen Bürgerinnen und Bürger das Denkmal am Freitagabend des 23. Mai 1930 auf dem alten Friedhof enthüllt., und zwar an der linken Ecke zur Straßenseite (heutige Einfahrt in die Bushaltestelle). Neben verschiedenen Festrednern, unter ihnen der erste Vorstand des Kriegerverein Sterzenbach, Bürgermeister Hilss und Pfarrer Schüber, wurde die Feierlichkeit von der Musikkapelle und dem Gesangverein musikalisch umrahmt. Nach vorgetragenen Prologen, Kranzniederlegungen und der Übergabe einer Fahnenschleife zogen - nach dem Deutschlandlied - die Vereine in die zugewiesenen Lokale.

Der Kriegerverein am Tag der Einweihung 23. Mai 1930

 

 

 

 

Denkmal wurde ohne Genehmigung aufgestellt.

 

Da die Genehmigung zur Errichtung eines Denkmals, die das badische Bezirksamt Lahr und das Landesgewerbeamt Karlsruhe hätten erteilen müssen, Wochen auf sich warten ließ, hat die Gemeinde letztendlich selbstständig gehandelt.

In Folge eines bedauerlichen Verhaltens, so das Landesdenkmalamt am 10. März 1930, sind die Pläne und das Schreiben beiseite gestellt worden. Nach Auffassung dieses Amtes war der gewählte Entwurf ein großer, nicht einwandfreier Grabstein, aber kein Kriegerdenkmal - und bei allem Respekt vor den in der Gemeinde vorhandenen Wünschen - nach einem christlichen Symbol in der entworfenen Form nicht zu empfehlen. Möglicherweise hätten der Gemeinde bessere Entwürfe auf ihre öffentliche Ausschreibung hin vorgelegen. So wurde eine nachträgliche Genehmigung am 24. Juni 1930 nachgereicht.

Weil das Spendengeld bei der ersten Sammlung nicht ausreichend war, es fehlten knapp 2000 Mark, wurde ein Jahr später eine zweite Sammlung durchgeführt. Es waren auch viele großzügige Spender aus umliegenden Gemeinden, zudem ausgewanderte Bürger aus Amerika und der Schweiz sowie der Turnerbund mit 100 Mark dabei.

 

 Denkmal erweitert

 

Auf dem ersten Kriegerdenkmal, das ursprünglich in der linken Ecke des alten Friedhofes, an der heutigen Einfahrt zur Bushaltestelle stand, waren die 58 Namen der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg rechts und links auf schwarzen polierten Steinplatten eingetragen. In der Mitte war eine Widmung der Gemeinde zum Gedenken der Gefallenen zu lesen. Auf dem von einem eisernen Kreuz gekrönten Mittelteil eine war eine Reliefdarstellung zu sehen: Christus streckt seine Hände aus. Zu seiner Linken ein gefallener, ein verwundeter und ein gefangener Soldat. Zu seiner Rechten ein trauernder älterer Mann, eine Frau mit Kind, ein junger Soldat.

Das Relief war mit einem Spruch versehen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“

Am 7. April 1964 befasste sich der damalige Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Alfred Benz mit der Umgestaltung bzw. Neugestaltung des alten Friedhofes und des Kriegerdenkmals. Steinmetz Josef Beck aus Ettenheim stellte den neuen Plan des  Denkmals vor, wobei sich die Kosten für eine Erweiterung und das Umsetzten auf ca. 6000, 7000,- DM beliefen. Aus gesundheitlichen Gründen zog jedoch Steinmetz Josef Beck seinen Auftrag Wochen später zurück. Daraufhin wurden die Bildhauer Geb. Dillberger, deren Vater bereits das vorhandene Denkmal erstellt hatte, mit der Planung und Neugestaltung beauftragt. Mit mehreren vorgelegten Varianten und kleinen Änderungen des Entwurfs bekam am 28. November 1964 die Firma Dilberger den Auftrag, diesen bis zum folgenden Frühjahr fertigzustellen. Und so wurden den Namen der im Zweiten Weltkrieg 1939 – 45 gefallenen oder vermissten 114 Soldaten - Ehemänner, Väter und Söhne - und denjenigen, die in der Heimat ums Leben kamen, am neuen Denkmal rechts und links ein Platz gewidmet. Der mittlere Teil der Tafel war den Gefallenen von 1914 – 18 gewidmet. Die Kosten allein für die Umgestaltung des Gedenksteines beliefen sich auf 21.300.- DM

 

Neuer Standort

In der Sitzung vom 30. April 1965 beschloss der Gemeinderat einen neuen Standort. Das neue Kriegerdenkmal sollte auf dem alten Friedhof mit Front gegen den Kirchplatz, sprich: dem heutigen Standort, errichtet werden. Die Erd- und Pflasterarbeiten wurden vom Baugeschäft Josef Beyer und Detlef Dufner aus Kappel ausgeführt, die gärtnerische Gestaltung führte die Gärtnerei Günter Korta aus. Am Sonntag, den 14. November 1965, versammelte sich nach dem Hauptgottesdienst die ganze Gemeinde vor dem umgestalteten Kriegerdenkmal. Nach der Eröffnung durch die Musikkapelle sprachen Bürgermeister Alfred Benz und Pfarrer Heinrich Beiser zu den Anwesenden. Auch der Gesangverein Cäcilia umrahmte die Feier, ehe die Musikkapelle mit dem Musikstück „Ich hatte einen Kameraden“ die Veranstaltung abschloss.

Das gereinigte Kriegerdenkmal im Jahre 2023

 

 

Mitglieder des Denkmalausschusses:

 

1. Herr Bürgermeister Zyprian Hilss

2. Pfarrer Franz Xaver Schüler

3. Ratschreiber Franz Josef Enderle

4. Gemeinderechner Franz Josef Leser

5. Hauptlehrer Karl Friedrich Stehlin

6. Schmiedemeister Josef Enderle

 

7. Sattlermeister Heinrich König

8. Fabrikant Karl Andlauer

9. Landwirt Josef Giedemann

10. Landwirt Wilhelm Leser

11. Löwenwirt Franz Benz

12. Zollsekretär Franz Sterzenbach

 

 

 

 

Der Volkstrauertag, der am zweiten Sonntag vor dem ersten Adventsonntag begangen wird, ist seit 1952 in Deutschland ein staatlicher Gedenktag. An diesem sogenannten stillen Gedenktag wird heute noch durch Reden und Kranzniederlegung an den Kriegerdenkmälern an die vielen Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen erinnert

Zeugnis des Kriegervereins
IMG_20231129_0001 (2).pdf
PDF-Dokument [719.3 KB]

Bericht von Rudi Rest,2023

 

 

 

Druckversion | Sitemap
© Arbeitskreis Historie