Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
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Patrozinium Kappel

Bildquelle: Claus Leser

 

 

 

Das Kapp´ler Patrozinium

 

Patrozinium, auch als  Patronatsfest bezeichnet, nennt man den Tag, an welchem katholische Pfarrgemeinden nach dem Kirchenkalender den Gedenktag des/der Heiligen ihrer Kirche feiern. 

Dieser Tag ist ein Hochfest und wird in Verbindung auch als Volksfest gefeiert.

Wenn es die Umstände erfordern, kann das Patrozinium, unabhängig vom Gedenktag, am Sonntag vor oder nach dem Kalenderdatum begangen werden.

Das Patrozinium in Kappel – mit seinen beiden Kirchenheiligen St. Cyprian und Justina - wird traditionell am letzten Sonntag im September gefeiert.

Früher war dies das große Fest im Dorf.

 

Bereits am Samstag bauten Schausteller auf dem Lindenplatz seine Karussells auf. Meistens war es eine Schiffschaukel und ein Kettenkarussell, manches Jahr sogar ein Autoskooter. Auch für die Kleinsten gab es ein Karussell, mit dem die Pferdchen und das Feuerwehrauto sich im Kreis drehten.

Flog man mit dem Kettenkarussell seine Runden, verlor mancher seinen Schuh der dann unter dem Gelächter der Zuschauer im benachbarten Garten landete.

 

Der Sonntag begann am Vormittag mit einem festlichen Gottesdienst, gestaltet von der Musikkapelle und dem Kirchenchor. Die Predigt hielt meist ein Kapuziner-Pater, welcher den Pfarrer bei diesem Hochfest unterstützte.

Beim Einzug der Ministranten und dem Pfarrer in die Kirche trugen Männer vom Stiftungsrat  (im schwarzen Frack) den Baldachin, genannt „Himmel“.

Nach Ende des Festgottesdienstes zogen alle Kirchenbesucher in einer Prozession durch die Kirchstraße bis zum festlich geschmückten Altar beim Anwesen – Kirchstr. Nr. 5 – , welcher von den umliegenden Bewohnern und Helfern zuvor in der Nacht aufgebaut wurde.

Hier nahm der Priester liturgische Handlungen (Lesung/Gebet) vor,  wobei er von Kirchenchor und Musikkapelle mit musikalischen Beiträgen unterstützt wurde.

Mit Gebeten und Gesängen, der an der Prozession teilnehmenden Gläubigen, ging der Zug zurück in die Kirche. Dort setzte der Pfarrer die Monstranz auf dem Hochaltar ab und die ganze Gemeinde sang das „großer Gott wir loben dich“. Dazu spielte die Musikkapelle und die Ministranten läuteten mit ihren kleinen Altarglocken.

Unter den kräftigen Klängen der Orgel verließen die Menschen dann die Kirche und strebten mit der Aussicht auf ein gutes Festessen ihr Heim an.

 

Traditionell fand am Nachmittag noch eine Andacht statt, womit der kirchliche Teil des Tages beendet war.

 

In der Dorfmitte war für das Vergnügen, sowohl der Erwachsenen, als auch für die Kinder einiges geboten. Ein Kinderkarussell ließ das Herz der Kinder höher schlagen. Die Jugend vergnügte sich mit der Schiffschaukel. Im Dorfzentrum waren Verkaufsstände mit Süßigkeiten,  Spiel- und Schmuckwaren, Schieß- und Wurfständen, aufgebaut. Besonders die imposante Kirmesorgel mit ihrem beweglichen und taktgebenden Tambourmajor ließ die Kinderaugen leuchten.

All dies bewirkte bei den Menschen eine heitere Feststimmung und war unter den großen alten Lindenbäumen „das Erlebnis“ im Jahresablauf.

 

Abends spielte im Saal des Gasthauses „Zum Löwen“ (später dann im Gasthaus „Zum Schiff“) eine Musikband zum Tanz auf.

 

Auch am Montag danach fuhren das Karussell, damit die Kinder ihr Festgeld aufbrauchen konnten, welches sie manchmal bei der Kartoffelernte verdient, oder von den Eltern und großzügigen Großeltern erhalten hatten. Abends spielte nochmals eine Live-Musik zum Tanz auf,

womit auch das weltliche Fest seinen Abschluss fand.

 

Zusammengestellt  im November  2021 von Lieselotte Salwetter u. Bruno Jäger

 

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Information über die Kirchenpatrone St. Cyprian und Justina

 

Cyprian (von Antiochia / Märtyrer)

Über Cyprian sagt die Legende nur, dass er Heide war und als Magier tätig gewesen sein soll. Über seine Geburt ist nichts bekannt, er soll aber ebenfalls, wie Justina im selben Ort gelebt haben. Cyprian soll, so die Sage, zusammen mit Justina enthauptet worden sein.

 

Justina (von Antiochia / Märtyrerin)

*   in Antiochia in Pisidien, heute Ruinen bei Yalvaç in der Türkei
+  um 304 in Nikomedia (heute Izmit in der Türkei

 

Kurzfassung der Geschichte

Die Heiligen Cyprian und Justina werden in der Römisch-Katholischen Kirche als Märtyrer verehrt. Beide lebten in Antiochia in Pisidien (heute in der Nähe von Yalvaç in der Türkei).

Der Legende nach war der Heide Cyprian ein Magier und Zauberer, der mit allen Mitteln seiner schwarzen Kunst versucht hatte, Justina, eine schöne junge Frau, zu verführen. Sie aber hatte ein Keuschheitsgelübde abgelegt und widerstand all seinen Annäherungen.

Cyprian, durch diese Standhaftigkeit stark beeindruckt, lies sich taufen. Durch seinen starken religiösen Eifer wurde er in der Folge zum Bischof gewählt.

Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian erlitten beide um 304 in Nikomedia (heute Izmit in der Türkei) den Märtyrertod durch Enthauptung.

 

Diese Angaben sind insofern ein Rätsel, da in katholischen Quellen kein Bischof von Antiochia mit dem Namen Cyprian verzeichnet ist. Die Geschichte wird wohl als Legende zu betrachten sein.

Ob es sich hierbei um eine geschichtliche Verschmelzung mit Bischof Cyprian von Karhago (* um 200 / +14.09.258) handelt wäre Spekulation und ist nicht belegbar.

Die Namen beider Heiligen wurden im Jahre 2001 aus der überarbeiteten römischen Martyrologie entfernt. Dies ist die offizielle, aber angeblich unvollständige Liste, der von der römisch-katholischen Kirche anerkannten Heiligen.

Auch sind weder Cyprian, noch Justina in der Liste der Christen, die während der Herrschaft des Kaisrs Diokletian den Märtyrertod erlitten haben, zu finden.

Dieser Vorgang macht die Legend um die beiden Kirchenpatrone Cyprian und Justina von Antiochia um so geheimnisvoller und mystischer.

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