Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen

Jungfrauenkongregation

Die Marianische Jungfrauenkongregation

von Kappel am Rhein

 

 

Jungfrauenkongregation – Entstehung und Aufgabe

Bruderschaften und kirchliche Vereine stellen seit langer Zeit einen wichtigen Faktor der Volksfrömmigkeit dar.

Ihre Aufgabe ist es, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern .

Als „Marianische Kongregation“ wird eine im Jahre 1563 errichtete kirchliche Vereinigung bezeichnet, welche 1584 von Papst Gregor XII. mit der Bulle „Omnipotentis Dei“ (übersetzt: Allmächtiger Gott) bestätigt wurde.

 

Die Jungfrauenkongregation ist eine katholische Vereinigung junger, wie aus dem Namen hervorgeht, unverheirateter Mädchen und Frauen, deren Mitgliedschaft ab dem Alter von 15 Jahren bis zur Heirat oder bis zum Tod  andauern konnte.

Die Aufgabe und Ziel der Vereinigung war es die „makellose Jungfrau, Gottesmutter und Himmelskönigin Maria“ zu verehren und selbst ein sittsames Leben zu führen.

Die Marianische Jungfrauenkongregation hatte eine bedeutende Stelle im religiösen und gesellschaftlichen Leben der Pfarrei Kappel am Rhein.

Wann die Jungfrauenkongregation gegründet wurde und zu welchem Zeitpunkt die Fahnenweihe erfolgter lässt sich aufgrund fehlender Dokumente nicht feststellen. Jedoch ist durch Bilddokumentation belegbar, dass diese Vereinigung schon Jahre vor dem 2. Weltkrieg in Kappel am Rhein existierte.

 

Nazis als Feind der Kirche

In den 1930-er Jahren wurde es still um die kirchlichen Gruppen und Vereine. Mit der politischen Machtübernahme durch die NSDAP am 30. Januar 1933 bereiteten die Nazis der Tätigkeit und dem Wirken christlicher Gruppen und Vereine durch allerlei Beschränkungen, Schikanen und Drohungen, bis hin in den familiären Bereich, ein Ende.

So wurden alle katholischen Vereine zunächst aus dem öffentlichen Leben verdrängt und um 1937 nach und nach verboten.

Dies betraf auch die Marianischen Jungfrauenkongregation aus Kappel am Rhein.

Nach dem unausbleiblichen und auch voraussehbaren Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft waren die Menschen, durch den Verlust ihrer Angehörigen, sowie den immensen Kriegsschäden und auch der herrschenden Not wie in einem Trauma gefangen, so dass auch das Wirken der christlichen Gruppen nicht wieder aufgenommen wurde.

Gruppe der Jungfrauenkonkregation (Vordergrund) bei der Prozession (um 1925)

Erst nachdem Pfarrer Heinrich Beiser 1947 als Pfarrverweser eingesetzt wurde aktivierte er mit viel Elan die christlich Gruppenarbeit wieder, so dass auch die Jungfrauenkongregation, sowie auch die Gruppe Kolping  ihre Rolle im öffentliche Leben wieder einnehmen konnte.

In der Öffentlichkeit wirkte die Jungfrauenkongregation bei kirchlichen Anlässen, z. B. bei der Fronleichnamsprozession, mit.

Bei ihren Auftritten waren die Mädchen und Frauen ganz in weiß gekleidet, als einzigen Schmuck trugen sie ein kleines goldenes Kreuz an einer Halskette. Außerdem waren sie mit einer von der Schulter quer bis zur Hüfte verlaufende hellblaue Schärpe bekleidet.

Während der Prozession führte die Jungfrauenkongregation die eigene Fahne mit. Diese war, soweit sich der Autor erinnern kann, in himmelblauer Farbe und zeigte auf dem Banner das Bild der Gottesmutter Maria.

Die Mädchen und Frauen trugen bei der Prozession eine Madonnenstatue  auf einem Traggestell mit um auf diese Weise ihre Verehrung der Gottesmutter zu zeigen.

 

Das Ende

Pfarrer Beiser, welcher die Jungfrauenkongregation nach dem Kriege wieder aktiviert hatte und deren Arbeit unterstützte, verstarb leider im Jahre 1970.

Seine Nachfolger hatten aber wohl kein Interesse an einer weiteren Unterstützung und damit am Fortbestand der Gruppe was schließlich, evtl. nicht zuletzt aber auch wegen fehlendem Interesse junger Mädchen an diesem Ehrendienst, zur  Auflösung dieser Gruppe führte.

Eine genaue Zeitangabe über die Auflösung der „Marianischen Jungfrauenkongregation ist nicht möglich, da keine entsprechende Dokumente vorliegen.

 

Frau Margarete Bührle danke ich für ihre Mithilfe.

 

Autor: BrunoJäger                                                                     Kappel-Grafenhausen

           im Dezember 2021

 

Begriffserklärungen

 

Bulle

Päpstliche Bulle (oder kurz Bulle genannt) ist die Bezeichnung für Urkunden, welche  wichtige Rechtsakte des Papstes bestätigen und verkünden. Sie wurden in der päpstlichen Kanzlei in feierlicher Form ausgefertigt und besiegelt.  Das deutsche Wort „Bulle“ kommt vom lateinischen „Bulla“ und bedeutet Urkunde mit Siegel.

 

Jungfrauenkongregation

Die Vereinigung hatte von kirchlicher Seite her das Ziel, die katholische Jugend an die kirch-
liche Gemeinschaft zu binden. Die Kongregation hatte außerdem den Zweck, die weibliche Jugend
durch den besonderen Schutz der allerseeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria vor den Gefahren der Seele zu retten und namentlich dazu anzuhalten, dass sie im ehelosen Stand die Unschuld
bewahren, und falls sie Gott zum Ehestand beruft, diesen rein und ehrbar antrete.

 

Kolping

Adolph Kolping (* 1813) war ein deutscher katholischer Priester, der sich insbesondere mit der sozialen Frage auseinandersetzte.

Kolping erlebte den Zusammenbruch der Zünfte Und die damalige wirtschaftliche Rezession  in Deutschland. Diente früher die Wanderschaft im wesentlichen der fachlichen Qualifikation der Gesellen, so mussten sie nun jahrelang von einem Ort zum anderen umherziehen um in der Ferne eine Anstellung zu finden.

Kolping lernte, vor seiner Berufung zum Priester, das Schuhmacherhandwerk und so selbst die Not der wandernden Handwerker kennen..

Er prägte die Zeit durch die Gründung des ersten Gesellenverein, welchem nach und nach weitere folgten. So versuchte Kolping die Not der wandernden Handwerker durch Unterstützung und das Angebot von Übernachtungsmöglichkeiten zu lindern.

 

NSDAP  (vt. Nazis)

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war eine in der Weimarer Republik gegründete politische Partei, deren Programm und Ideologie ( der Nationalsozialismus) von radikalem Antisemitismus und Nationalismus, sowie auch der Ablehnung von Demokratie und Marxismus, bestimmt war.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Arbeitskreis Historie