Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen

800 Jahre Kappel

800 Jahre Kappel in Reimen

Vor 800 Jahren in Straßburg der Stadt,

Bischof Heinrich der Zweite gewirkt dort noch hat.

Er besaß viel Vermögen und darin enthalten,

waren auch viele Dörfer, die ließ er verwalten.

Von einem Vogt, denn so steht es geschrieben

und das Schriftstück dazu ist uns erhalten geblieben.

 

Wir können das also alles noch lesen

Und erfahren dadurch wie das damals gewesen.

Viele Dörfer also waren dem Bischof zu Eigen

Und was im Dorf auch geschah,

musste dem Bischof man zeigen.

Und wegen der kleinsten Dinge musste den Bischof man fragen

Und hoffen, dass er dazu ,,Ja“ würde sagen.

Und eins dieser Dörfer, natürlich noch klein,

hieß Capell  -  heut` Kappel – und lag ganz nah` am Rhein.

 

Als Dorf war Capell vorher nirgends genannt,

obwohl es wahrscheinlich schon früher bestand.

In den 800 Jahren ist viel dort passiert-

Die meiste Zeit wurde Kappel von Straßburg regiert.

Und die Bewohner mussten dem Herrscher in vielen Dingen

Hilfsdienste und gewaltige Abgaben bringen.

Im Jahr 1266 kann man auch lesen,

war in Kappel ein wichtiges Treffen gewesen.

Es trafen sich zwei Kriegsparteien,

um über Frieden zu reden statt zu kämpfen und schreien.

Der Friedenschluss von  Kappel wurde das Treffen später

genannt,

die Kriegsgegner waren als zwei Straßburger Gruppen bekannt.

Die eine war die Kirche und mit ihr kämpften meist adlige Krieger,

die andere waren die Bürger

und sie waren im Kampf auch die Sieger.

Sie bekamen ab Kappel und das war ja nicht schlecht,

mehr Freiheit, mehr Wohlstand und vor allem mehr Recht.

 

Und auch im 30.jährigen Krieg hatte Kappel zu leiden,

es wurde zerstört und geplündert von mehreren Seiten.

Die Schlacht von Wittenweier ging in die Geschichtsbücher ein

Und brachte auch Kappel als Nachbarn viel Kummer und Pein.

Auf der einen Seite waren die Schweden und die Protestanten,

und ihnen gegenüber standen

die kaiserlichen Pflichtsoldaten,

auch sie verursachten gewaltigen Schaden.

Mann gegen Mann hieß die Devise,

vom Blut war rot bald Feld und Wiese.

Und noch heute, das ist ja auch vielen bekannt,

wird ein Flurstück noch immer ,, Blutgraben“ genannt.

Noch heute findet man beim Pflügen im Feld

Kriegsgegenstände oder auch Münzen und Geld.

Man fand schon Messer, Dolch, Schwerter

und auch andere Waffen,

auch Becher, Geschirr oder alte Karaffen.

 

Dass dieser Landstrich für Menschen interresant

Immer schon war,

ist beim Blick zurück uns allen auch klar:

denn bei Kappel hat man in der Erde, weit unten

ein Grab mit viel, viel Inhalt gefunden.

Man fand Waffen, Becher, edle Ringe,

schönen Schmuck und andere Dinge.

Es war ein Fürstengrab der Kelten vor langer Zeit,

vor mehr als 2000 Jahren- für uns eine Ewigkeit.

Es gab auch eine Zeit, es ist schon lange her,

da hatten die Menschen in Kappel es ungemein schwer.

Keine Arbeit, kaum Nahrung, nur Armut und Not,

nur Sorge und Kampf um das tägliche Brot.

Viele konnten  den Zustand dann nicht mehr ertragen

Und wollten deshalb der Heimat auf Wiedersehn sagen.

,, Kappel ade, wir wandern aus ins gelobte Land“,

so wurde Amerika damals genannt.

Viele Familien suchten dort Wohlstand und Glück

Und kehrten nie mehr zu uns nach Kappel zurück.

 

Ihre Nachkommen leben dort lange jetzt schon,

in der über- über- übernächsten Generation.

Und sie werden echte Amerikaner wohl sein,

Amerikaner mit den Wurzeln in Kappel am Rhein.

Sicher gibt’s in New York noch, dass da jemand heißt:

Bührle, Kirner, Giedemann oder auch Faißt.

Oder mit amerikanisch gefärbtem Akzent

Statt Junele vielleicht Junly, statt Fliehler vielleicht Flyer, man sich

Jetzt in Amerika nennt.

 

Vor knapp hundert Jahr`als frohe Kunde,

war Kappel einst in aller Munde.

In Kappel gab es Volksschauspiele,

Besucher gab es viele,

von weit her kamen sie geeilt,

haben in Kappel beim Theater verweilt.

Man spielte im Theaterwald

Da hatte man `ne Bühne halt.

Als Schauspieler, so wird noch heute gesagt,

hat man zuallererst Kappler Bürger gefragt.

Und alle, ob sie alt ob jung,

sie spielten mit Begeisterung.

Und halfen mit diesen Theatersachen,

den Namen von Kappel bekannt zu machen.

 

Auch vom letzten Krieg, den die Älteren noch kennen,

muss man Kappel leider zuallererst nennen.

Denn von allen Orten in unserem Kreis

Hatte Kappel, was mancher heute noch weiß,

den meisten Schaden, den meisten Beschuss.

Und gegen Ende des Krieges, es war schon bald Schluss, mussten die Bewohner aus Kappel zum dritten Mal fliehen,

mit Sack und Pack nach auswärts ziehen,

mussten die Kappler Bewohner, meist Kinder, Alte und Frauen,

nochmals flüchten und nach einer anderen Unterkunft schauen.

Nach Sulz wurden viele dann evakuiert

Bis das Heimatdorf nicht mehr vom Feind bombadiert.

Als der Krieg bei uns dann war endlich vorbei,

begann auch in Kappel die Aufräumerei.

Und mit viel, viel Fleiß und mit viel Elan

Fing dann der Wiederaufbau auch an.

Die Häuser, die Kirche alles wurde her wieder gestellt

Und das mit harter Arbeit und ohne viel Geld.

Und irgendwann hieß es: wohin man auch schaut,

alles ist jetzt wieder aufgebaut.

Auch die Natur, wie es so scheint,

hat es mit Kappel lange Zeit nicht gut gemeint.

Heut reden wir vom Vater Rhein

Dieser Vater konnt `damals aber sehr bösartig sein.

Der Rhein, ein wilder, gefährlicher Fluss,

er brachte auch Kappel viel Not und Verdruss.

Und was die Bewohner oft mühsam gebaut

Und wo sie auch ihrem damaligen Fortschritt vertraut,

das hat der Rhein , von den Menschen verflucht,

zerstört, wenn ein neues Bett er gesucht.

Doch die Menschen in Kappel haben den Mut nicht verloren,

hier bleiben wir, sagten sie, denn hier sind wir geboren.

Und die Menschen in Kappel haben nach vorne geschaut

Und später dann  auch Gottfried Tulla vertraut,

der dem Rhein ein neues Bett gegeben

und den Menschen am Rhein ein besseres Leben.

Nur eines darf man auch nicht vergessen:

Der Rhein gab den Menschen auch Nahrung und Essen.

Nicht umsonst- und das kann jeder verstehen,

sind im Kappler Wappen Fisch und Ruder zu sehen.

Und eine Fischerzunft, um das Miteinander zu lenken,

gibt es in Kappel schon seit Menschengedenken.

 

 

800 Jahre sind vergangen,

der Rhein ist längst schon eingefangen.

Er bringt kein Unheil mehr uns allen,

als Vater Rhein tut er uns jetzt gefallen.

Am Rhein gibt es noch immer Kappel als Ort

Doch schreibt man es nicht mehr  mit einem einzigen Wort.

Der Name Kappel steht nicht mehr allein,

mit Grafenhausen ging man den Ehebund ein.

Kappel-Grafenhausen wird das Dorf nun genannt.

Am Anfang war man sehr gespannt,

wie die Ehepartner sich vertragen

denn- das muss man ehrlich sagen,

eine Liebesheirat war es nicht.

Die Ehe zu schließen, das war schon fast Pflicht,

denn erst wenn die Ehe formal war geschlossen,

hat man den Zuschuss vom Staat auch genossen.

Zwei Altledige würde im Volksmund man sagen,

mussten erst lernen sich zu ertragen.

Doch siehe da, nach geraumer Zeit

Kam Stück für Stück mehr Einigkeit.

Gemeinsam wurden nun Pläne gemacht,

man hat gemeinsam gefeiert und gemeinsam gelacht,

man hatte sich bald aneinander gewöhnt,

wo Streit war, da hat man sich wieder versöhnt.

Mehr als 40 Jahre ist die Ehe nun alt,

die goldene Hochzeit gibt es schon bald.

Dort wird man die Reden so in die Vergangenheit lenken

Wie wir jetzt der 800 Jahre von Kappel gedenken.

 

Wir hoffen, dass die zwei Orte sich weiterhin gut vertragen

Und die Bewohner noch in vielen Jahren zueinander dann sagen:

Alle Achtung, das war früher einmal mit Weitblick gedacht,

als man aus Kappel und Grafenhausen eine Gemeinde gemacht.

Walter Batt , 2019

 

 

 

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