Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
Arbeitskreis HistorieKappel- Grafenhausen

Protokollbuch-Theaterverein

 

Protokollbuch des Theatervereins Volksschauspiele Kappel am Rhein

Entstehung der Volksschauspiele Kappel am Rhein

Nachdem es dem Männergesangverein Kappel am Rhein mit seinem trefflichen Dirigenten Herrn Hauptlehrer Stehlin viele Jahre in der Weihnachts- und Fastnachtszeit in seinem Stammlokal Gasthaus zur Linde gelungen ist, mit erstklassigen Theateraufführungen vor das Publikum zu treten und dabei reichen Beifall erntete, so kam Herr Hauptlehrer Stehlin dazu, ein Volksschauspiel bzw. eine Naturbühne ins Leben zu rufen.

Abs. 2

im Februar im Jahr 1921 kurz vor Fastnacht wurde durch Herrn Hauptlehrer Stehlin der Verwaltungsrat des Gesangvereins an einem Abend in sein Stammlokal zu einer Sitzung zusammengerufen zwecks Aufführung eines Volksschauspiels im Sommer nämlich der „Freischütz".Es wurde alles hin und her überlegt und besprochen und schließlich dem Plane mit großer Begeisterung zugestimmt. Die Sitzung dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Abs. 3

Erwerbung eines Spielplatz

Herrichtung und Arbeiten von Seiten der Mitglieder

Es mußte eine geeigneter Platz ausgesucht werden und fand sich derselbe vor in der sogenannten „Vogtsgrube", welcher von den Eigentümern Gustav Kölble und Johann Andlauer bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde. Der Platz wurde unter Leitung des Spielleiters Herrn Hauptlehrer Stehlin hergerichtet, was alles unentgeltlich geschah. Nebenbei mußte von den Rollenträgern unter Leitung des Spielleiters tüchtig geprobt werden. Das Stück wurde mit großem Beifall aufgeführt und brachte einen schönen Gewinn ein, welcher zur Deckung der Kosten für Herrichtung des Platzes an Handwerksleute, Inserate in Zeitungen und Kostümverleihgeschäft in Freiburg verausgabt wurde. Das Spiel wurde den ganzen Sommer von vielen auswärtigen Leuten ,Vereinen und Schülern aus der Umgebung besucht.

Abs. 4

Das Spiel konnte aber vom Gesangverein allein nicht aufgeführt werden. Da es etwa 120 Personen erforderte. Es mussten noch andere Leute gewonnen werden, welche sich gerne zur Verfügung stellten. Der Musikverein Kappel übernahm die musikalischen Leistungen , welche in das Stück eingeflochten waren. Besonders verdiente derselbe jedes Mal durch Vortragung der Freischütz Ovatüre vor dem Spiel. Herr Hauptlehrer …....... von Grafenhausen verdient noch besonderes Lob, welcher die Übersetzung der Musikstücke für den Freischutz mit großer Meisterschaft bewerkstelligte.

Abs. 5

Nachdem das erste Spieljahr gut verlaufen war, wurde die Begeisterung immer größer. Es meldeten sich viele junge Leute zum Mitspielen für das nächste Jahr. Der Spielleiter wurde gedrängt, für das nächste Jahr ein neues Stück auszuwählen, was ihm auch gut gelungen ist, nämlich „Preciosa". Der wohllöbliche Gemeinderat Kappel, an der Spitze Herrn

Bürgermeister Hilß, stellte der Spielergesellschaft einen Spielplatz unentgeltlich zur Verfügung. Der Platz mußte angelegt werden. Es mußte eine Zuschauerhalle gebaut werden, was ganz erhebliche Kosten verursachte, zumal die Mitspielenden alle umsonst arbeiteten. Es wurde ein Ausschuß und ein Baukomitee gebildet, an deren Spitze der Spielleiter, Herr Hauptlehrer Stehlin und Ratschreiber Franz Enderle, welche die Sache zu leiten und die Interessen der Mitspielenden wahrzunehmen hatten.

Abs. 6

An dem neuen Stück Preciosa beteiligten sich ungefähr 200 Mitwirkende. Das Stück hatte guten Erfolg – die Besucher von auswärts wurden immer zahlreicher. Es wurde also gut abgeschnitten. Die Mitspieler konnten bereits jeden Spieltag entlohnt werden.

Abs. 7

Im Jahre 1923 – Inflationsjahr – wurde durch Beschluss des Ausschusses von einer Aufführung eines Stückes wegen verschiedener Bedenken Abstand genommen.

Abs. 8

Im Jahre 1924, als sich die Verhältnisse wieder etwas gebessert hatten, wurde wieder ans Werk gegangen, ein neues Stück aufzuführen und so wurde das Stück – Rosa von Tannenburg – gewählt. Der Gesangverein wollte nicht mehr der Alleintragende sein, und deshalb wurde zur Gründung eines Theatervereins geschritten, dem ungefähr 200 Mitglieder beitraten. In der Generalversammlung im Januar 1924 wurden gewählt:

1. Vorstand Hauptlehrer Stehlin

2. Vorstand Franz Enderle

als Ausschuss Mitglieder wurden gewählt:

1. Pfarrer Schüber

2. Bürgermeister Hilß

3. Dr. Kollofrath

4. Franz Leser

5. Trotter Anna

6. Andlauer Hilda

Abs. 9

Verkauf der Zuschauerhalle und Szenerie an den Theaterverein Kappel am Rhein

Laut Beschluss des Verwaltungsrates vom Gesangvereins wurde die Halle und Szenerie

laut Kaufvertrag dem Theaterverein um den Preis 1.800 Mark übergeben.

Abs.10

Nachdem die Sachen alle geregelt waren, wurde mit der Einstudierung des neuen Stückes Rosa von Tannenburg für den kommenden Sommer begonnen. Im Frühjahr wurden an der Zuschauerhalle und Szenerie verschiedene Umbauten vorgenommen, was dem Theaterverein beträchtliche Ausgaben verursachte. Das neu gewählte Stück war sehr

zugkräftig, es fanden sich sehr viele Zuschauer von nah und fern ein, sodass der Verein auf seine Rechnung kam und noch eine Abschlagszahlung für Halle und Szenerie an den Gesangverein leisten konnte.

Abs. 11

Generalversammlung im Dez. 1924

1. Wahl des Vorstandes

2. Wahl der Ausschussmitglieder

3. Wünsche und Anträge der Mitglieder

In der Generalversammlung wurden wiedergewählt:

als 1. Vorstand und Spielleiter Hauptlehrer Stehlin

2. Vorstand Ratschreiber Enderle jung

als Ausschuss-Mitglieder wurden gewählt:

1. Bürgermeister Hilß

2. Pfarrer Schüber

3. Dr. Kollofrath, Tierarzt

4. Gemeinderechner Leser

6. Köbele Johann und 7. Goth Wilhelm, beide als Vertreter der Musik

8. Andlauer Hilda

9. Giedemann Josef als Rechner

Es wurde daselbst auch abgestimmt, ob im kommenden Jahr 1925 wieder gespielt werden sollte. Es wurde mit großer Mehrheit dafür gestimmt, wieder ein Spiel aufzuführen und unser Spielleiter griff zu dem Stück „Genovefa"

Abs. 12

Das neue Stück „Genovefa" erforderte wieder eine Umänderung der Szenerie. Da man diese Arbeiten nicht mehr umsonst von den Mitgliedern verlangen konnte, so wurde das dem Vereinsausschuss anheim gestellt, darüber zu bestimmen. Die Vergütung des Spielleiters ist soweit in einem Vertrag niedergeschrieben. Als Platzmeister wurde das Mitglied Eugen Köhler bestimmt.

Ausschuss-Sitzung März 1925

Es kamen folgende Punkte zur Beratung.

1. Umbau der Szenerie

2. Vergütung der Mitglieder für Arbeiten auf dem Platze

Punkte 1. Der Umbau der Szenerie wurde dem Vereinsmitglied Wilhelm Klauser , Zimmermann, übergeben.

Punkte 2. sämtliche Vereinsmitglieder, welche sich beim Umbau der Szenerie und Herrichten des Platzes oder sonst an einer Arbeit beteiligten , die für das Volksschauspiel bestimmt ist, ist der ortsübliche Taglohn zu gewähren.

Ausschuß-Sitzung am ….

Es kamen folgende Punkte zur Beratung.

  1. Kleidung der Mitwirkenden beim Spiel

  2. 2. Kostüme für Hauptrollenträger

  3. Ausgaben für Kleidung

  4. Anbringen der Plakate in auswärtigen Orten

  5. Vergütung der Musik für Reklame in Ottenheim

    Punkt 1 und 3

    Es wurde beschlossen, dass die Kleidung der Mitspielenden dieses Jahr einheitlich sein muss, je nach Gruppen, ausgenommen die Hauptrollenträger. Der Verein kauft die verschiedenen Stoffe – lässt sie zu Kostümen und Blusen zurechtschneiden.Das Zusammensetzen haben die einzelnen Mitglieder zu besorgen. Der Verein bezahlt vorschüßlich die Kosten , welche später auf die Mitglieder umgelegt werden und von denselben der Kasse wieder zu ersetzen sind. Die Kostüme und Blusen sind Eigentum der Mitglieder. 

    Punkt 2. Die Kostüme für die Hauptrollenträger werden wie alljährlich von dem Kostümleihschäft Rombach in Freiburg gegen eine festgesetzte Miete bezogen.

    Punkt 4: Den Mitgliedern, welche das Besorgen der Plakate in auswärtige Ortschaften übernommen haben, erhalten je Posten 5 M.

    Punkt 5: der Musikverein soll für seinen Ausflug nach Ottenheim zum Trachtenfest, welcher derselbe als Reklame für den Theaterverein benutzte, pro Mitglied 1 Mark erhalten.

     

    Ausschuß-Sitzung am 29. Mai 1925

    Es kamen folgende Punkte zur Beratung und Beschlussfassung.

  6. Wirtschaft auf dem Spielplatz

  7. Verkaufsbuden und Taxe für dieselbe

    Punkt 1: Lindenwirt Vögele erhält das Recht, auf dem Spielplatz zu wirten – als Entschädigung für Stellung des Vereinslokals. Näheres ersichtlich in einem Vertrag.

    Punkt2: Dem Vereinsmitglied Franz Glück, Bäcker, wird die Genehmigung erteilt, einen Stand aufzuschlagen und Waren zu verkaufen gegen eine Taxe von 60 Mark.Derselbe verpflichtet sich – für ein Auto zu sorgen, welches Leute auf den Spielplatz bringen soll – auch muß er sich an jedem Aufzug des Spiels – soweit es erforderlich ist – beteiligen. Otto Jäger, Bäcker, hat ebenfalls die Genehmigung einen Stand aufzuschlagen und Waren zu verkaufen – um die Taxe von 80 Mark. Auch muss sich derselbe wie ersterer um jeden Aufzug – soweit erforderlich – beteiligen. Julius Trotter ist die Genehmigung erteilt, einen Zigarrenstand aufzuschlagen um die Taxe von 30 Mark.  Auch muß sich sich derselbe bei jedem Aufzug des Spiels beteiligen.

     

    Ausschuß-Sitzung am 9. Juni 1925

    Es kamen folgende Punkte zur Beratung und Beschlussfassung:

  8. Kleidung der Musik

  9. < >

    Antrag an den Gemeinderat beteffs Wegverbesserung, Instandhaltung beim Spielplatz vom Wegweiser bis an Kanal.

  10. < >Punkt 1 Die Mitglieder der Musik, welche ebenfalls auch Mitglieder des Theatervereins sind, sollen eine einheitliche Kopfbedeckung, Kittelkragen und Ärmelaufschläge erhalten.

     

    Punkt 2: Franz Glück , Bäcker, hat sich verpflichtet , für ein Auto zu sorgen, welches Leute aus der Umgebung zum Spiel bringen soll. Wenn die Sache nicht besser funktioniert, so hat derselbe die volle Taxe für seinen Verkaufsstand zu entrichten -= 80 Mark.

    Punkt 3: Beim Gemeinderat ist der Antrag zu stellen, dass der Weg , welcher vom Wegweiser am Spielplatz vorbeigeht, sogenannter Halbmondweg, etwas verbessert und in guter Ordnung erhalten bleibt.

    Punkt 4. Von verschiedenen Leuten aus dem Zuschauerpublikum wurden Textbücher verlangt oder der Rat gegeben, man solle Programme drucken lassen. Diesem Wunsche wurde in der Sitzung entsprochen und mehrere 100 Programme bestellt.

     

    Ausschuß-Sitzung – 19. Juni 1925

     

    Es kamen folgende Punkte zur Beratung und Beschlussfassung

  11. Beanstandung der Brezeln

  12. Ruhe und Ordnung beim Spiel

  13. < >Punkt 1: Es wurde von vielen Mitgliedern beanstandet, dass die von den Bäckern auf dem Spielplatz zum Verkaufe gebrachten Brezeln sehr an Qualität (Quantität) sehr nachlassen. Es wurde beschlossen, den Bäckern zu eröffnen, dass die Qualität (Qantität) besser werden muß. Dafür erhalten sie am Standgeld etwas nachgelassen – etwa 20 Mark.

     

    Punkt 2: Während der Spielzeit muß bessere Ruhe und Ordnung herschen. Es wurden Gruppenführer ernannt. Diese haben darauf zu achten, dass die ihnen anvertrauten Leute rechtzeitig und vollzählig zum Spiel kommen. Außerdem wurden noch einige Personen bestimmt, welche darauf zu achten haben, dass während des Spieles Ruhe herrscht und sich den widersetzenden namhaft machen.

    Punkt 3. Es sollen – wie jedes Jahr – zwei Schülervorstellungen stattfinden – und zwar um eine ermäßigte Taxe von 50 Pfennig – weil das die beste Reklame für das Spiel ist. Der Erlös ist jedes mal an die Mitwirkenden auszubezahlen.

    Kappel – Rhein, den 19. Juni 1925

  14. Vorstand Friedrich Stehlin

  15. Vorstand Franz Enderle

Weitere Auszüge in Bearbeitung !

Quelle: Nachlaß von Hauptlehrer Stehlin, zur Verfügung gestellt von Josef Stehlin

Bearbeitet von Anneliese u. Werner Hilß, Liselotte Salwetter

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Arbeitskreis Historie