Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
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Die Geschichte der Auswanderer aus Kappel

 

Zur Historie von Kappel zählt ohne Zweifel auch die Geschichte der Auswanderer unserer Gemeinde.

Es ist weit mehr als 200 Jahr her, als die ersten Bürger aus Kappel sich entschlossen, in weiter Ferne, in einem ihnen völlig unbekannten Land, eine neue Lebensaufgabe zu suchen.

Armut und allgemeine wirtschaftliche Not waren die Gründe, die diese Bürger dazu bewegten, das damals große Risiko der Auswanderung auf sich zu nehmen.

Aus welchen Gründen auch immer waren die Vereinigten Staaten das auserwählte Ziel.

Aus heutiger Sicht war diese Reise ganz sicher mit vielen Gefahren und Unwegsamkeiten verbunden. Die genannten Umstände und Vorbedingungen für dieses große Wagnis vor Beginn der Überfahrt sind im Einzelnen nicht genau nachweisbar.

Die erste Familie aus unserem Ort, die die für damalige Zeiten kaum vorstellbare Reise nach Übersee angetreten ist, war Argobast Stährer, nachweisbar im Jahr 1784.

Nachfolgend sind dann fast jährlich Familien oder nachfolgende Familienangehörige auf die beschwerliche Reise nach Amerika gegangen.

In den Jahren von 1820 bis 1880 war die größte Zahl von Auswanderern zu verzeichnen.

Um das Jahr 1840 sind dann bereits sogenannte „Agenten" tätig geworden, die eine Vermittlung und Organisation für die Reise angeboten haben.

Die Gebrüder Maurer aus Oberhausen sowie ein gewisser Alexander Reichard aus Straßburg haben diese Dienste angeboten. Durch ihre Verbindungen zu Straßburger und Kölner Dampfschifffahrtsgesellschaften konnten sie diese Unterstützung ermöglichen.

Alte Unterlagen, auf die ich zufällig gestoßen bin, bestätigen diese Tatsachen.

Ganz interessant sind die Bedingungen und Verpflichtungen, die für dieses „Unternehmen" vorgegeben waren.

Ich zitiere:

„Erwachsene konnten 200 Pfund Gepäck mitnehmen. Kosten für die Beförderung von Straßburg über Le Havre nach New York betrugen im Jahr 1855 pro Person zwischen 52 bis 77 Gulden, Kinder bis 10 Jahre 44 Gulden, Säuglinge bis zu einem Jahr 12 Gulden. Für Verpflegung wurde pro Person bis zu 22 Gulden berechnet"

Jeweils am 30. jeden Monats war die Seereise nach Amerika möglich.

Auf der Überfahrt mit einem 3-Mast-Segler hatte jeder Passagier Anspruch auf einen Platz im Zwischendeck, freien Transport des Reisegepäckes, die zum eigenen Gebrauch benötigten Gerätschaften, süßes Wasser, Holz und Licht. Ferner die Befreiung von der Entrichtung eines sogenannten Kopfgeldes bei der Ankunft in Amerika.

In diesen Jahrzehnten sind ca. 175 Personen unseres Dorfes nach Übersee ausgewandert. Ganze Familien, aber auch einzelne Fälle, in denen Mütter mit mehreren Kindern nach Übersee vermutlich nachgereist sind.

Dieser Bericht ist eine Zusammenstellung aus alten Unterlagen, aber teilweise auch aus dem Dorfsippenbuch, das ich häufig nutze.

Es ist vor allem für unsere nachfolgende Generation ein wichtiger Abschnitt der historischen Geschichte von Kappel, die nicht in Vergessenheit geraten darf.

Gerold Sahl

 

 

Gastbeitrag von Gerold Sahl, Kappel

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