Arbeitskreis Historie Kappel- Grafenhausen
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Friedenschluß in Kappel am Rhein 22.07.1266

Text der Urkunde für den Friedensschluss 1266 zwischen dem Bischof von Straßburg und der Stadt Straßburg mit ihren Verbündeten

 

 

Friedensschluss zu Kappel

 

 

Bischof Heinrich von Straßburg beurkundet den zwischen seinem neven , Walther von

Geroltsecke , seinem Sohn Heinrich, den Kindern seines Sohnes Hermann, den Kindern

des Herrn von Tiersberc sins vettern und allen ihren Helfern auf der einen Seite und den

Bürgern von Straßburg, seinem neven, dem Bischof von Basel, den Grafen Rudolf und

Gottfried von Habsburg , Graf Konrad von Friburg , Otto von Ohsenstein, Burchard von

Hohenstein, Walther von Gyrbaden und allen ihren Helfern auf der anderen Seite geschlossenen Frieden (stete suone).

Walther von Geroltsecke, sein Sohn Heinrich und Heinrich, Herrn Hermanns Sohn, haben für sich und für hern Hermannes kint, den Sohn sins vettern [...] dez von Tiersberc, den Markgrafen vonHahcberc, den von Wolfhahe, Hesso von Oesenberc, Heinrich von Racenhusen und Hug und Rudolf, seine Söhne, und für alle Freunde und Helfer die Sühne beschworen, ebenso Ruolin Ripelin der meister, Rudolf von Vegersheim, Reinbold der Liebencellere, Burchart und Burchart die Spendere, Gozelin von Sant Thomane, Nikolaus der Zorn, Ruolenderlin, Walther von Lampertheim und ir ersamen burgere wol viercig für sich und ihre Helfer.

Beide Seiten tauschen ihre Gefangenen aus und verzichten gegenseitig auf Schadenersatz.

S: d.A., Abt Berthold von Morbach, Graf Otto von Eberstein, Berthold, Dompropst von Straßburg (1-4 ab), Chorbischof Eberhard von Sulze (besch.), Walther von

Geroltsecke, sein Sohn Heinrich (6 u. 7 ab) und Heinrich von Lichtenberc der vuot zu Strazburg.

 

zu Capelle an deme Rine, 1266, an deme frietage vor sante Jacobis tage.

 

Ausf. Straßburg, Ar. mun., Urk. 181

Kop. Ebd. Briefbuch A (AA 65) f. 217

Schöpflin

, Alsatia diplomatica 2 Nr. 637 aus Kop. - Danach

Trouillat,

Mon. de Bale 2 Nr. 121 -

UBStrbg 1 Nr. 615 aus Ausf. -

Wilhelm

, Corpus 5 Nr. N 81 (=100a)

RI 5.2 Nr. 12005 - RMBad 1 Nr. h29 - RBStrbg 2 Nr. 1815 (zu Juli 24)

 

Ferdinand, Dr. Johann Baptist; Köbele, Albert: Miszellen aus Vergangenheit und Gegenwart des Bezirks Ettenheim, Ettenheim 1936/37. 166 S.
3. Artikel: Der Friedensschluß von Kappel. S. 25-30
Der Friedensschluß von Kappel
Von Albert Köbele, cand. phil. in Grafenhausen
Mit Friedrich II. (1215-1250), dem Barbarossaenkel, hatte das mittelalterliche Kaisertum seinen glanzvollen Höhepunkt erreicht. Dieser geistig bedeutendste Fürst des Mittelalters hatte die Macht und das Ansehen des Reiches nach innen und außen erweitert und behauptet. Das stolze Staufergeschlecht mit seiner Universalpolitik und seinen kühnen Welteroberungsplänen, mit seiner Tendenz nach Italien und Rom war aber dem Leben der deutschen Nation schon lange nicht mehr gerecht geworden. Einerseits mußten, um die Italienpolitik, die immer schon die Macht der deutschen Könige untergraben hatte, durchführen zu können, den weltlichen und geistlichen Fürsten zuviele Zugeständnisse gemacht werden, andererseits litt die Autorität des Kaisers durch die Bannung und Absetzung durch den Papst. Fürchtete doch das Papsttum, daß der Kirchenstaat durch die Festsetzung der Staufer in Süditalien, und Sizilien gefährdet würde, und eröffnete mit allen Mitteln den Kampf gegen Kaiser Friedrich. Mitten in diesen gewaltigen Kämpfen starb Kaiser Friedrich 1250 in Süditalien. Er hinterließ das Reich in größter Verwirrung. Seine unfähigen Nachfolger vermochten sich nicht durchzusetzen und der letzte Staufer, der junge Konradin, endete 1268 in Neapel auf dem Blutgerüste.
Besonders am Oberrhein, wo, wie Otto von Freising sagt, die Macht des Reiches am stärksten gewesen war, begann der Streit um das staufische Erbe. Da alle Bande staatlicher Ordnung aufgelöst waren, kein oberster Herr und Richter mehr da war, an den man sich wenden konnte, wenn einem Unrecht geschehen, so galt das Faustrecht und jeder griff zu. Die Ländergier der geistlichen und weltlichen Fürsten stürzte sich vor allem auf das Reichsgut in der Ortenau und im oberen Elsaß. Hatte doch gerade Friedrich II. um Offenburg, im Kinzigtal und in Mahlberg alte Reichsrechte wieder zur Geltung gebracht. Jetzt, nachdem die Staufer keinen Nach- folger fanden, der diese Lande wieder mit dem Schwerte verteidigen konnte, machten sich die umliegenden Herren über die Beute. Schon Bischoff Heinrich III. von Stahleck (1245-1260) hatte 1245-48 mit Erlaubnis der Kurie einen planmäßigen Feldzug gegen die staufischen Besitzungen geführt. Besonders aber das kleine Geschlecht der Geroldsecker brachte es in diesen dunkeln Zeiten allgemeiner Verwirrung schnell zu größerem Ansehen. Schon vor 1250 hatten sie die Stadt Mahlberg trotz heftiger Kämpfe gegen Graf Konrad von Freiburg erobert. Walther von Geroldseck trieb eine Territorialpolitik großen Stils und das Geschlecht der Geroldsecker schien zu einer Art Vormachtstellung im Oberrheintal zu gelangen. Schon hatten sie auch jenseits des Rheins im elsässischen Münstertale sich festgesetzt und dort auf dem Schwarzenberge ein festes Schloß erbaut.
Eine neue Wendung nahmen diese politischen Verhältnisse, als der gleichnamige Sohn Walthers am 27. März 1260 den Straßburger Bischofsstuhl bestieg. Zwischen dem Hause Geroldseck und den Straßburger Bischöfen hatten schon vorher gute und enge Beziehungen bestanden. Walther war in sehr jungen Jahren Domherr geworden und Besitzer mehrerer guter Pfründen. Als Bischof des großen und mächtigen Bistums Straßburg waren ihm und seinem Hause erst die Mittel in die Hand gegeben, die Macht der Geraldsecker auszudehnen und zu erweitern. Aber diese skrupelose Machtpolitik führte bald zu einer Katastrophe.
Denn nicht weniger wie die Landesherren waren die großen Städte in dieser meisterlosen Zeit darauf bedacht, ihre Rechte zu wahren und zu erweitern, ja wenn möglich Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erreichen. Besonders aber Straßburg, die durch ihre zentrale Lage bedeutendste Stadt am Oberrhein, war durch wirtschaftliche Blüte zu solcher Macht gelangt, daß ihre stolzen Geschlechter sich nicht mehr unter das bischöfliche Joch beugen mochten. Unter Bischof Heinrich, dem Vorgänger Walthers von Geroldseck, waren die Beziehungen noch gut gewesen und die Bürger halfen ihrem Herrn und Bischof bei seinen Raubzügen in der Ortenau. Aber die Zeit der Sedisvakanz war von der Stadt dazu benützt worden, um neue Rechte an sich zu bringen oder sich darin zu befestigen. Das mag einer der Gründe gewesen sein, daß das Domkapitel den Geroldsecker wählte, um eben einen streitbaren Herrn mit starkem Familienanhang gegen die Stadt einsetzen zu können.
Der Ausbruch der Feindseligkeiten ließ auch nicht lange auf sich warten. Der jugendliche Ungestüm und die stolze Ritterlichkeit des neuen Bischofs vertrugen sich schlecht mit den selbstbewußten Bürgergeschlechtern. An Kleinigkeiten entzündete sich der Brand. Zunächst war der Bischof im Vorteil, weil der Adel auf seiner Seite stand. Auch der Graf von Habsburg, Rudolf, der nachmalige Kaiser, der Lehensträger des Straßburger Bischofs im Oberelsaß war, der Bischof von Basel, der Erzbischof von Trier, der Abt von Murbach sandten Truppen. Überhaupt wurde der Kampf gegen die Stadt Straßburg als eine Tendenzsache geführt und da es sich jetzt darum handelte, ob Straßburg eine freie Reichsstadt oder aber, unter des Bischofs Hoheit, nur eine unterworfene Landstadt sein sollte (Roth von Schreckenstein), so war ein Vergleich auf keiner Seite mehr möglich.
Der Krieg wurde zunächst mit wechselndem Glück geführt. Die Straßburger schützten sich wohl hinter ihren festen Mauern. Der Bischof hatte die Stadt mit dem Banne belegt und alle Priester ihr Weggenommen; aber die Bürger,, um ihr Seelenheil besorgt, verschafften sich drei fremde Priester, die ihre Kranken und Sterbenden betreuten und ihnen die Messe lasen. Hie und da mähten sie Ausfälle und brandschatzten die bischöflichen Dörfer. Nach einem mißlungenen Anschlag auf die Stadt am 15. Juli wurde ein Waffenstillstand verabredet. Auf beiden Seiten ruhte man während dieser Zeit nicht. Der Bischof suchte die Handwerker gegen die Geschlechter aufzubringen. Die Stadt trat in Verhandlungen mit Rudolf von Habsburg, der dann auf ihre Seite trat.
Nach der Wiedereröffnung der Feindseligkeiten entfaltete die Stadt eine merkwürdige Tatkraft und trat zu einer lebhaften Opposition über. Der Krieg wurde mit der ganzen Härte und Grausamkeit der damaligen Zeit geführt. Besonders die bischöflichen Städte und Dörfer rechts und links des Rheins hatten Schreckliches zu leiden. Die rechtsrheinischen Besitzungen des Bischofs und der Geroldsecker waren den Kriegszügen der Straßburger und ihrer Verbündeten ausgesetzt, weil die Hauptmacht des Bischofs im Elsaß stand. So kam der Krieg auch in die Ortenau und in die Ettenheimer Gegend. "Konrad I., Graf von Freiburg, und dessen Vetter Rudolf von Habsburg standen der Stadt Straßburg gegen den unruhigen Bischof Walther von Geroldsecker bei und nahm an die Herrschaft Ettenheim in Besitz, bei welcher Gelegenheit die Truppen übel verfuhren (Kürzel, die Stadt Ettenheim 1883, Seite 21). Natürlich tat auch der Bischof was möglich war, um die Besitzungen der Stadt und ihrer Bundesgenossen zu verwüsten. Der Krieg wütete von Sundgau bis ins Unterelsaß, in der ganzen Oberrheinebene; man sah nichts als zerstörte Schlösser und verwüstete Dörfer, überall Plünderung, Mord und Brand (Ruppert).
Bischof Walther hatte sein Heer um die Stadt gelegt, um ihr die Zufuhr zu erschweren. Bei Gelegenheit eines Ausfalls der Bürger kam es nicht weit nördlich von der Stadt bei Hausbergen am 8. März 1262 zur Schlacht.
Die Städter siegten so vollständig, daß der Bischof kaum noch entfliehen konnte, über 60 Ritter und Edle, darunter des Bischofs Bruder den Tod fanden und viele Gefangene gemacht wurden, während die Straßburger nur einen Toten hatten. Jetzt war die Macht des Bischofs gebrochen. Nicht lange nachher, am 21. Februar 1263, starb er, " wie man glaubt, aus tiefem Gram über das Scheitern seiner stolzen Pläne" (Roth von Schreckenstein.)
Damit war der Krieg aber noch keinesfalls beendigt. Der alte Geroldsecker verharrte noch im Kriegszustande, aber es kam zu keinen größeren Zusammenstößen mehr; man war allgemein erschöpft und kriegsmüde. So trat man endlich zu den Friedensverhandlungen in Kappel am Rhein zusammen. Dieser Ort mochte wohl gewählt sein, weil er für die unterhandelnden Parteien in einer gewissen Mitte lag. Oberelsaß und Freiburg, Straßburg und Geroldseck; für diese Hauptträger der Friedensverhandlung lag Kappel wohl am günstigsten. Der Text des Friedensvertrages (Straßburger Urkundenbuch 1. Bd. Seite 463) lautet in Abkürzung folgendermaßen (Erklärung in Klammer):
"In namen dez vatters unde dez sunes unde dez heiligen geistes. wir heinrich von Gottes gnaden der bischof von Straßburg (Nachfolger Walthers auf dem Straßburger Bischofsstuhl war sein eigener Vet- ter, Heinrich von Geroldseck am Wasgau) tuont kunt allen den, die disen brief gesehnt oder gehoerent, daz wir eine stete suene (Sühne) hant gemacht zwischen unserme neven hern Walthere deme herren von Geroldsecke (der alte) unde sine sune hern Heinriche unde sins suns Kinden hern Hermannes unde das Kinden von Tiersbercsins vettern und allen irn vettern und allen irn helfern und irn friunden (Verwandten) einsite und unseren bürgeren zu Straßburg gemeinigliche und unserme neven den bischoven von Basile (Bischof Heinrich von Basel war ebenfalls ein Verwandter der Geroldsecker), graven Rudolfe von Habsburg (der spätere Kaiser 1273 bis 1291), graven Godfride von Habsburg, graven Cunrate von Freiburg und hern Ottun von Ochsenstein, hern Buracarte von Hohenstein, hern Walther von Gyrbaden und allen iren helfern, die bi in diseme urliuge (Fehde) warnt, andersite umbe das urliuge unde die gerechte, die da was zwischen dene von Geroldseck ... unde dene meister unde dene rate und den bürgeren von Strazburg algemeine. Die suene hat gesworen stete (Beständigkeit) zu habene her Walther von Geroldsecke ... vur alle ir friunt und alle ir helfere. so het andersite gesworn Ruolin Ripelin der meister, Rudolf von Vegersheim, Reinbolt der Liebencellere (der Führer der Bürgerschaft in der Schlacht bei Hausbergen), Burcardt und ouch Burcart die Spenere, Gozelin von sant Thomane, Niclavus der Zorn, Ruolenderlin, Walther von Lampertheim und ir ersamen burgere wol viercig vur sich und vur die stat gemeine und alle ire helfere dise selbe suone stete zu habene. und ist bedenthalb gesworn ane allen argenlist. sie gent (geben) ouch bedenthalb widere alle die gevangenen, die der von Geroldsecke unde die bürgere von Stratzburg inne hetten. sie hant sich auch vercigen (verziehen) bedenthalb alles dez schaden, der in diseme urliuge geschehen ist, swie er bischehen ist. ich Walther von Geroldseck ... vurjehen ... stete zu habene bi geschworenen eide (verspreche den geschworenen Eid stets zu halten). Dezselbe verjehen ouch wir Ruolin Ripelin der meister und die andern, die davor geschriben stant, stete zu habene bi geschworenen eide. Daz dis stete blibe, darumbe gehen wir bischof Heinrich von Strazburg unde wir Berthold der abbet von Morbach (Murbach) und ich Otto der grave von Eberstein und ich Berthold der tuomprobist (Domprobst) von Straßburg und ich Eberhardt von Sulze der chorbischof und ich Walther von Geroldseck und ich Heinrich sin sun und ich Heinrich von Lichtenberc der vuot (Vogt) zu Strazburg unser ingesigele (Siegel) an disen brief zeime (zu einem) urkunde. Dise suene geschach zu Cappelle an deme Rine an dem frietage vor sante Jacobistage zu gegenwartin der vorgenannten herren ... von gottes geburte tusend jar zweihundert und sehz und sehzig jar."
Mit diesem Friedensschluß zu Kappel am Rhein fand eine bedeutsame Entwicklung im staatlichen Leben der Oberrheinlande ihren Abschluß. Der Aufruhr nach dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft hatte nicht zur Bildung einer großen Territorialmacht des Geroldseckischen Hauses geführt. Wohl konnten sie ihre Besitzungen um Lahr und Mahlberg behaupten und später wieder ausdehnen, aber die großen Pläne waren nach dem Frieden zu Kappel endgültig gescheitert. Das Andere, was sich nach dieser Fehde geändert hatte, war das Verhältnis der Stadt Straß- bürg zu ihrem Bischof. Obwohl nie mehr ernsthaftere Zusammenstöße wie der Waltherianische Krieg eintraten, trennten sich doch ihre Wege endgültig. Das Endresultat war denn, daß es keiner Macht gelang, eine Vorherrschaft zu erreichen, und eine Art Gleichgewicht die vielen Kleinstaaten in steter Spannung hielt. So kam als Ergebnis des Kappler Friedens, der keine nennenswerten Gebietsveränderungen gebracht hatte, die Beseitigung der staatlichen Zersplitterung in den Oberrheinlanden angesehen werden.
(Literatur: Borries, Emil von; Geschichte der Stadt Straßburg. 1909. Krebs Manfred: Politische und kirchliche Geschichte der Ortenau. In Die Ortenau, 16. Heft 1929; Seite 85. Kürzel Albert: Die Stadt Ettenheim und ihre Umgebung. 1833. Roth von Schreckenstein: Herr Walther von Geroldseck. 1836. Ruppert Philipp: Geschichte der Mortenau, 1. Teil: Geschichte des Hauses und der Herrschaft Geroldseck. 1882. Urkundenbuch der Stadt Straßburg.)

 

Beitrag von Bruno Jäger

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